FORUM KONKRETE KUNST ERFURT  MUSEM DER KÜNSTLER

 

Idee
Der künstlerische Kurator des Projektes - Jürgen Blum-Kwiatkowski - entwickelte gemeinsam mit Künstlerkollegen die Idee, ein Museum zu schaffen, das spezialisiert ist auf die Kunstrichtung der ,,Konkreten Kunst", in welchem die Künstler im Besitz ihrer Werke bleiben, über deren Auswahl selber entscheiden und sie nach eigenem Ermessen austauschen können.


Realisierung
Diese Idee wurde in Zusammenarbeit mit der jetzigen Leitung des FORUM's und mit Unterstützung der Kulturdirektion der Stadt Erfurt sowie dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Jahre 1993 in dem Gebäude der ehemaligen Klosterkirche St. Peter und Paul auf dem Petersberg in Erfurt realisiert. Die erstaunlich gute Resonanz der Künstler auf den Aufruf zur Beteiligung an diesem außergewöhnlichen Projekt zeigte, wie interessant sowohl die Idee als auch der Standort Erfurt - inmitten Europas gelegen ist: 100 Künstler aus 16 Nationen waren bei der Eröffnung vertreten, 9 weitere konnten noch in die Sammlung aufgenommen werden, mehr sind aus räumlichen Gründen nicht möglich. Durch Ausstellungen, Symposien und Kolloquien zur theoretischen Auseinandersetzung hat sich dennoch der Kreis der im Projekt engagierten Künstler und auch Theoretiker erfreulich erweitert. Sowohl die Ausstellung in der Peterskirche selbst als auch die begleiten den Veranstaltungen finden wachsende Anerkennung und reges Interesse.

Professor Dietrich Mahlow sagte in seiner Eröffnungsrede 1993: ,,... Die Kunst gehört zur Wirklichkeit unseres Lebens. Das zeigt diese Stadt mit diesem neuen Museum in einer Zeit, in der solche Wagnisse selten geworden sind..."

Konzept
Begleitend zur ständigen Sammlung werden durch das FORUM in städtischen Galerien und seit 1998 auch im Obergeschoss der Peterskirche Ausstellungen organisiert zu: -Themenkomplexen in Verbindung mit einem Theorie-Kolloquium - Neuen Tendenzen der Konkreten Kunst in den Teilnehmerländern Dabei wird der Grundsatz verfolgt, sowohl neue Konzepte von am FORUM beteiligten Künstlern, als auch solche von jungen und uns unbekannten Künstlern zu zeigen.

Ergänzend führen wir Arbeitssymposien durch, um mit neuen Techniken bekannt zu machen oder zu experimentellem Arbeiten einzuladen. Die Werke sind in einem Gesamtkatalog erfasst, zusätzlich gibt es eine Schriftenreihe, in der die Ergebnisse der Kolloquien und teilweise auch die Ausstellungen dokumentiert werden. Ziel des FORUM ist es, die Entwicklung zu einem Kommunikationspunkt von internationalem Anspruch für Künstler der Konkreten Kunst, Theoretiker, Kunstliebhaber und alle Interessierten zu verfestigen, über neue Ten denzen zu informieren und zu diskutieren.

Was versteht man unter ,,Konkreter Kunst"?
Die Bezeichnung für diese Kunstrichtung wurde 1930 von Theo van Doesburg in der Zeitschrift ,,Art Concret" erstmalig verwendet und definiert:

   ,,Konkrete Kunst ist die Bezeich-
nung für eine Kunst ohne jede
Beziehung zur visuellen Wirklich-
keit, in der die bildnerischen
Elemente weder Abbild der Natur
noch symbolisch gemeint sind,
sondern in einem Wechselspiel
von (meist geometrischen)
Formen nur sich selbst bedeuten."

Die Wurzeln dieser Bewegung liegen jedoch bereits am Beginn des Jahrhunderts. Kandinsky sprach 1910 von ,,Absoluter Malerei", Malewitsch begründete in Russland 1915 den,,Suprematismus", in den Niederlanden bildete sich 1917 die De Stijl-Bewegung mit Mondrian und van Doesburg, der selbst noch 1920 vom ,,Elementarismus" sprach. Die Konkrete Kunst bildet nicht mehr ab; die künstlerischen Mittel haben sich emanzipiert; Linie, Fläche, Form, Farbe, Rhythmus, Entwicklungsprozess usw. werden zu den allein Agie renden im Kunstwerk - im Dienste einer Idee, einer Erkenntnis - als künstlerische Botschaft. Damit unterscheidet sie sich auch von der Abstrakten Kunst, deren Werke auf der ,,Abstrahierung" der Motive basieren und damit noch den - wenn auch stark symbolisierten Abbildcharakter haben.

Die Konkrete Kunst hat sich seit ihrem Entstehen ständig weiterentwickelt - ist lebendig, reagiert sowohl mit Neugier und Experimentierfreudigkeit als auch mit Sensibilität auf neue Entwicklungen und Erkenntnisse in Kunst und Gesellschaft. Sie arbeitet mit neuen Materialien, ja thematisiert diese selbst und lotet sie in ihren künstlerischen Möglichkeiten aus.
Sie nahm im Laufe der Entwicklung Einfluss auf verschiedene Richtungen der internationalen Kunst.

Zum Gebäude der Peterskirche
Die kunsthistorisch bedeutsame romanische Pfeilerbasilika des ehemaligen Benediktinerklosters (gebaut 1103-1147) wurde, da sie mitten in der Zitadelle Petersberg lag, in den Kriegen zwischen Napoleon und den Preußen stark beschädigt und reduziert. Fortan als Magazin genutzt, ausgebaut durch eine Holzkonstruktion in zwei Etagen, verblieb das Bauwerk bis heute in diesem Zustand. Der besondere Charakter und historische Hintergrund inspirierten die Künstler zu der vorliegenden alternativen Präsentation der Kunstwerke.

Herausgeber:

Stadtverwaltung Erfurt,

Kulturdirektion
Redaktion: Heidi Bierwisch
Gestaltung: Gerhard Frömel
Fotos. Thomas-Michael Franke
Erscheinungsjahr: 1999

 

Postanschrift:
Landeshauptstadt Erfurt
Stadtverwaltung
Künstlerwerkstätten
Lowetscher Straße 42 c
D-99089 Erfurt


Ansprechpartner:
Heidi Bierwisch
Telefon: (0361) 735742
Telefax: (0361) 73 5742

Peterskirche:
Öffnungszeiten
Mittwoch - Sonntag
10 - 18 Uhr

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blick in den Ausstellungraum
der Peterskirche

 

 

 

 

 

 

 

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